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Donnerstag, 13. Februar 2014

Mut zur Séance!

Mein PC zuhause schält sich regelmäßig selbständig ab. Es passiert stets nach dem gleichen Schema: Er rauscht laut auf, fiept einmal kurz, der Bildschirm wird schwarz, und dann ist er aus. Einfach so. Ohne Rücksicht darauf, ob der Film, der gerade im DVD-Laufwerk liegt, an einer superspannenden Stelle ist (hört Adrienne ihren Rocky?) oder ob im Sport-Livestream der Herren-Abfahrt gerade ein Athlet zu stürzen beginnt... Der Rest ist schwarzes Schweigen. Kein Update, keine Defragmentierung hilft, nur geduldiges Warten und dem Gerät gut zureden. Erst dann lässt er sich wieder hochfahren.

Ja, richtig gelesen: gutes Zureden hilft.

Hiermit oute ich mich offiziell als Feenistin: Ich bin der festen Überzeugung, Maschinen haben eine Seele - oder es sitzt jemand drin mit einer solchen. Am Anfang meines Erwachsenenalters habe ich das für mich behalten; man gilt schnell als überspannt, wenn die eigene Überzeugung nicht der gängigen BILDung entspricht. Heute weiß ich, ich bin nicht allein. Manchmal höre ich nach einem vertraulichen Dialog mit dem Multifunktionskopierer im Büro erleichtertes Seufzen und das geflüsterte Bekenntnis, dass noch mehr Angehörige der Gattung Homo sapiens sapiens mit Geräten kommunizieren. Nicht mithilfe von Geräten, sondern mit den angeblich seelenlosen, toten Instrumenten unserer Zivilisation selbst. Bin ich verrückt?

Sehen wir doch mal bei unseren Nachbarländern in die (Aber-)Glaubensschublade. Die Naturvölker sind außen vor. Wer an das Seelenleben von Tieren und Pflanzen glaubt, wird im Zeitalter von Problembär Bruno und Eisbär Knut selbst bei uns kaum noch als Spinner abgetan. Ganz im Gegenteil: Es gibt Pflanzenflüsterer und Floristik-Ratgeber, die mit Mozarts Unterstützung die schwächelnde Zimmerpalme zum Wachstum animieren. Die Praxis der hiesigen Hunde-Psychologin liegt in der teuersten Ladenmeile. Und Pferdeflüsterer sind dank Robert Redford so angesehen wie Mitglieder des Hochadels. Aber wer gibt schon eine Abneigung gegen einen Drucker zu? Existieren launische Kopierer? Oder gar Verkehrsampeln mit Eigenleben? Wer an Feen, Zwerge, Trolle oder sonstige mythische Figuren glaubt, ist fein raus. Der Ire beschuldigt einen Leprechaun, wenn das Auto an der roten Ampel aus- und nicht wieder angeht. In Schweden und Dänemark kann man Trollen etwaige Missgeschicke anlasten. Und 60 Prozent der Isländer glauben an Elfen, weitere 30 Prozent halten ihre Existenz immerhin für möglich. Das Bauamt von Reykjavik hat deshalb sogar eine Elfenbeauftragte.
Leider ist die germanische Mythologie bei uns fast komplett aus der Kultur gerutscht. Im europäischen Kontext gesehen bin ich ganz normal, wenn ich an kleine Geister glaube, die in Computern, Kameras, Autos und sonstigen Apparaten sitzen und gelegentlich unsere Aufmerksamkeit einfordern.
Und meine Erfahrung ist: Reden hilft! Ein längjähriger Feldversuch hat ergeben, bei technischen Instrumenten funktioniert es sogar besser als bei Menschen. Will mein Auto partout nicht anspringen, hilft ein bisschen Geduld und gutes Zureden fast immer. Hat irgendjemand schon mal erfolgreich ein bockiges Kind durch gutes Zureden kuriert???


„Warum druckt der jetzt nicht“, ist einer der häufigsten Sätze in deutschen Schreibkammern. Fragen Sie den Drucker beim nächsten Mal doch einfach direkt, warum er den Dienst verweigert. Ich lasse mich auch nicht gern bevormunden. Und sagen Sie viele Grüße von mir.

Freitag, 8. März 2013

Rätsel: Wie nennt man eine Mischung aus Schaf und Folterinstrument??

Mein Blog liegt seit Wochen brach. An Zündstoff mangelt es eigentlich nicht. Aber an der Zeit und an der Schwierigkeit, skurrile Meldungen zu interpretieren. Wie zum Beispiel lässt sich diese Schlagzeile des heutigen Tages noch toppen?

http://www.zeit.de/wirtschaft/2013-03/mehdorn-berlin-flughafen-ber

Zu diesem Thema muss man eigentlich nichts weiter sagen. Schon gar nicht, weil die aktuell etwa zweihundert Kommentare praktisch alle meine Gedanken vorweggenommen haben. Ein Leser fragt zum Beispiel, ob jemand diese Meldung liest, ohne laut loszulachen. Nun, wahrscheinlich nicht. Und als ob die Hiobsbotschaft allein nicht schrecklich genug wäre, klingt der zweite Satz in der Überschrift wie vom Meister des politischen Kabaretts persönlich: Mehdorn folge für Ramsauer einer patriotischen Verpflichtung. Wie bitte? Mehdorn, der alles ruiniert, was er in die Hände bekommt, nimmt nur Ramsauer zuliebe den nächsten Einsatz als Abrissbirne an. Was zum Teufel treiben die Männer und Frauen um Angela Merkel eigentlich gerade? Wurde ein interner Wettbewerb ausgeschrieben, wer sein Ressort am effektivsten und schnellsten an die Wand fährt? Ramsauer, oder Ramses, wie ihn findige Foristen zuweilen nennen, dürfte derzeit unangefochtener Anwärter auf den Spitzenplatz sein. Eigene Kfz-Kennzeichen für sämtliche Städte und Gemeinden über vierhundert Einwohner und ohne einen Hinweis, wie die zuständigen Landratsämter mit diesem größten gemeinsamen Vielfachen umgehen sollen, ein noch undurchsichtigeres Straf- und Punktesystem für Deutschland, jede Menge kaputte Straßen, Bahnhöfe und Geleise - und natürlich sein Engagement für Stuttgart 21. Eigentlich wollte er Mehdorn hier ins Boot holen, aber wenigstens der hat sich daran erinnert, dass da mit der Bahn schon mal was war, früher, vor vielen, vielen Jahren. Also dann eben die Flughafen-Baustelle, nachdem die Sache mit Air Berlin zuvor gründlich schief gegangen ist. Immerhin ist Mehdorn mit seinen gerade mal siebzig Lenzen doch noch voll in Saft und Kraft und kann ein bisschen Kleingeld gut gebrauchen, um seine magere Rente aufzustocken. Und die patriotische Verpflichtung ist erfüllt. Auf „wir sind Papst“ folgt „wir fahren uns an die Wand“. Frau Merkel lässt alles streichen, was ihr nicht gefällt. Armutsbericht? Von wegen! Auch Frau von der Leyen steht am Start zur verlogensten Politkerin des Jahres. Wer in Deutschland über 3000 € netto pro Monat zur Verfügung hat, gilt als reich! Irrelevant ist bei dieser Einstufung, ob man mit seinen vier Kindern in München lebt oder als glücklicher Single in Marktredwitz. Papier ist geduldig...
 Dass Ramses die grüne Doppelspitze in Baden-Württembergs Landeshauptstadt allen Ernstes damit zu erpressen versucht, sämtliche Bahnfahrer Deutschlands müssten die Mehrkosten für den superteuren Bunker S21 durch höhere Fahrtkosten mittragen, wenn Stadt und Land sich weiterhin so bockig zeigten, entlockt einem da nur noch ein müdes Lächeln. Seit ich denken kann, werden die Fahrpreise zweimal pro Jahr erhöht. Also was soll man da noch schreiben? Im Herbst ist Wahl, und wahrscheinlich wird die Mehrheit der deutschen Bundesbürger den gleichen Fatalismus zeigen wie vor fünfzig Jahren, wie vor achtzig Jahren, wie schon immer. Määäh! Määäh. Lassen wir alles beim Alten. Der Durchschnittsbürger über fünfzig bekommt überhaupt keine Arbeit mehr, katastrophale Ex-Manager rutschen von einem hochdotierten Job in den nächsten, gleichgültig wie verheerend sich ihre Einsätze auch auswirken. Vielleicht wandere ich aus. In ein Land, weit weg von Europa. Mit Bergen, Kühen, meinem eigenen Gewehr, direktem Wahlrecht und hervorragendem Käse.

Confoederatio Helvetica, ich komme!

Auflösung: Määähdorn.

Freitag, 22. Februar 2013

Frage: Was ist flüssiger als Wasser?


Antwort: Lehrer, denn sie sind überflüssig. Das war der Schülerwitz der Achtziger Jahre. Die Schulzeit ist vorbei; der Spruch hat inzwischen eine neue Bedeutung für mich gewonnen: Es gibt etwas, das flüssiger als Wasser ist: Geld. Auf jeden Fall verdunstet es deutlich schneller.

Es gibt viele traurige Beispiele aus den vergangenen Jahren, die zeigen, wie einfach man ein gesundes, florierendes Unternehmen schnell und effektiv in die Pleite steuert. Wie die Existenz vieler tausend Mitarbeiter zugunsten der Gewinnmaximierung einiger weniger "Führungspersonen" verschachert wird. Paradebeispiele hierfür sind Thomas Middelhoff mit Karstadt/ Arcandor, Anton Schlecker und dessen Drogeriekette oder Klaus Ostendorf (Müller Brot). Der Ablauf erfolgt stets nach dem gleichen Schema: Diverse Vorstände verdienen sich jahrelang eine goldene Nase mithilfe exorbitanter Boni und jährlichen Gehaltserhöhungen im zweistelligen Millionenbereich. Gut für sie, schlecht für die Angestellten, die, muss das goldene Kalb halb verhungert zur Schlachtbank, ihre Jobs verlieren und zuvor auch noch viel Geld, weil sämtliche Jahresleistungen und Sonderzahlungen vor dem Ende noch gestrichen werden, "in einem letzten Rettungsversuch". Frau Schickedanz ließ der Welt via BILD mitteilen, wie arm sie durch die Insolvenz wurde („wir leben von 600 € im Monat“) und Herr Middelhoff wollte allen Ernstes klagen, weil er doch komplett unschuldig war an der Misere. Zu Schadenersatz wurde er trotzdem verurteilt. Zwischendurch wurde gar von einer finanziellen Schieflage des freundlich lächelnden Herrn gemunkelt. Sei's drum. An die Öffentlichkeit gedrungen ist die Peinlichkeit übrigens wegen einer Luxus-Yacht, deren Miete längere Zeit nicht bezahlt wurde. 
Aber so ist das mit dem lieben Mammon in Deutschland im Jahre 2013: Geld hat keinen Wert mehr. Weder für Wirtschaftsbosse noch für unsere Politiker. Frau Merkel will verhindern, dass Stuttgart 21 zum Wahlkampfthema wird. Deshalb will sie mittels ihrer Bluthunde, pardon, ihrer Mitarbeiter die Bahn, die anderen Projektpartner und die zuständigen Regierungsvertreter dazu zwingen, den abstrusen Bau trotz unabsehbarer Mehrkosten im März ganz schnell durchzuwinken. Koste es, was es wolle. Nein, nicht ganz. Sie hat Sparvorschläge daran geknüft. Und was bitte soll eingespart werden? Ein paar Gleise? Der Brandschutz, Rettungswege oder die Aufzüge und Rolltreppen? Wir besinnen uns zurück auf alte Werte, zum Beispiel das "sozialverträgliche Frühableben". 

Man beachte bei Kostensteigerung und Muttis Bitte um Einsparungen, dass bis jetzt noch überhaupt nichts für den neuen Bahnhof gebaut wurde. Aktuelle Fotos der Baustelle zeigen das ausgehobene Areal für ein (längst dringend benötigtes) neues Technikgebäude und die Vorarbeiten zu einem (ebenfalls lange überfälligen) neuen Stellwerk. 

Die Bahn räumt damit bereits vor Baubeginn ein ganzes Drittel Mehrkosten auf die vorher festgelegten Gesamtkosten von 4,5 Milliarden Euro ein. Milliarden! Entwickeln sich die Kosten auch nur ein klein wenig weiter wie beim BER, haben wir bis in 3 Jahren den Nomen est Omen Effekt: Stuttgart 21 = 21 Milliarden Euro. Die Bauzeit verlängert sich wohl genauso - räumt die Bahn auch jetzt schon eine Verspätung von einem Jahr ein. (Wie gesagt, noch ist nichts gebaut. Das liegt übrigens auch nicht an den bösen grünen Blockierern, sondern schlichtweg an fehlenden Genehmigungen vom Eisenbahnbundesamt.) Aber irgendwie interessieren sich eine ganze Menge Leute dafür. Zu viele, um einfach stur weiterzumachen. Also gibt es wieder ein Machtwort von der Kanzlerin. Es wird gebaut und damit basta! Schön, dass Frau Merkel in erster Linie an ihren eigenen Frieden denkt. Jeder hat eben andere Prioritäten. 

Und Geld - ist flüssiger als Wasser, das wissen wir nun. Und ebenso flüssig wie die Moral unserer Politiker, Aufsichtsräte, Vorstände....

http://www.wdr.de/tv/monitor/sendungen/2013/0221/stuttgart.php5