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Donnerstag, 26. Oktober 2017

Old School - Retro Lernen im Jahr 2017


Retro ist schick, und Old School ist trend. Klingt besser als altmodisch und ist an sich nichts Schlechtes. Ich bin kein Wegwerf-Fan und es freut mich diebisch, dass alte Gegenstände bei der nächsten Generation wieder eine gewisse Wertschätzung erfahren, nachdem wir, die Generation Golf, groß geworden sind mit „schmeiß weg, kauf neu“. 
Shpock und eBay Kleinanzeigen treten in ernste Konkurrenz zum klassischen Flohmarkt. Finde ich gut, nutze ich auch und wenn meine Kinder hingebungsvoll in alten Comics aus den Siebzigern blättern, ist das irgendwie süß und man wird ein bisschen nostalgisch. 
Nostalgie jedoch gehört ins Museum oder in den Wohnzimmerschrank, aber keinesfalls in die Schule! Unser Schulsystem ist marode und veraltet und nach den neuesten PISA-Ergebnissen schlichtweg katastrophal. Ich glaube, das habe ich schon mehrmals geschrieben. Das ist angesichts der verworrenen Lehrpläne und der veralteten Lernstrukturen in Deutschland ein alter Hut. Was mich mit purem Entsetzen erfüllt, ist meine kürzlich gewonnene Erkenntnis, dass nicht nur Lehrer den längst überfälligen Einsatz von digitalen Hilfsmitteln und Lehrmethoden bremsen, sondern die Eltern. Obwohl bei nüchterner Betrachtung und dem Bestreben sämtlicher Unternehmen und Ämter nach Digitalisierung eigentlich jedem klar sein muss: Die Ära von Gedrucktem neigt sich ihrem Ende. Bücher machen sich gut im Regal, aber alltagsrelevant sind heute andere Medien. Wenn ich eine Gebrauchsanleitung suche, finde ich sie bei Google. Statistisch belegt setzen sich 74% der Grundschüler mit digitaler Technologie auseinander und 93% der 11-14jährigen. Und wie arbeiten die Schulen hier mit? 
Fünf Jahre hintereinander besuche ich den Elternsprechtag im Gymnasium meiner Söhne und fünf Jahre hintereinander passiert das Gleiche wie zu meiner Gymnasialzeit vor über dreißig (!) Jahren:
1. Der Lehrer begrüßt. 2. Der Lehrer geht zum Tageslichtprojektor. 3. Der Lehrer schält den Projektor ein. 4. Der Lehrer legt eine Folie auf.
Nach den foliengestützten Vorträgen der Lehrkräfte habe ich mich beim letzten Mal tapfer nach eBooks für unsere Kinder erkundigt, da der Schulranzen eines Fünftklässlers im Schnitt über zehn Kilogramm wiegt. Und was höre ich von einem aufgebrachten Vater: Er will nicht, dass sein Kind mit elektronischen Medien lernt, weil es sich zu schnell ablenken ließe. Ich benötige beruflich einen PC, wie jeder heutzutage. Der zitierte Vater saß im Elternabend mit einem Notebook. Hmm… Finde den Fehler. Danke, setzen, sechs!
Die Lehrerin hingegen, die den Projektor betrieben hat, steht nicht nur der Nutzung von eBook-Versionen der Schulbücher, sondern auch dem Vokabellernen mit Apps am Smartphone aufgeschlossen gegenüber. (So kann man beim Autofahren übrigens prima lernen.) Immerhin, es gibt noch Hoffnung. 
Liebe Eltern, Nostalgie gehört ins Museum, nicht ins Klassenzimmer. Wenn unsere Kinder sich von den elektronischen Medien zu schnell ablenken lassen, dann deshalb, weil sie den richtigen Umgang bisher nicht gelernt haben. Smartphones im Wert von mehreren Hundert Euro sind nicht nur für Youtube und Instagram gemacht. Damit kann man arbeiten. Kinder müssen den Umgang mit elektronischen Geräten lernen, so wie sie stillsitzen und schreiben und mit Besteck essen lernen. Das passiert ganz bestimmt nicht, wenn wir sie einfach allein lassen mit der Wii, dem iPad und den ganzen anderen teuren Gadgets, die wir alle natürlich besitzen und natürlich auch unseren Kindern zur Verfügung stellen – wir wollen ja keine Außenseiter herziehen. 
Also nichts wir ran an die neueste Lernsoftware! Bewegen Sie die Lehrer zum Einsatz von Moodle, spielen Sie die Vokabel-App aufs Smartphone und lassen Sie ihr Kind die Hausaufgabe oder einen Haushaltsplan als Word- oder Excel-Dokument erstellen. Denn irgendwann kommt das echte Leben – dann wird der souveräne Umgang mit elektronischen Hilfsmitteln vorausgesetzt, und nicht das faltenlose Umblättern von Buchseiten.




(Und so sieht das Leben ohne diesen ganzen Elektronik-Schnickschnack aus…)

Donnerstag, 21. September 2017

Die Frau, das selbstbewusste Wesen


Kürzlich habe ich den ZDF-Mehrteiler „Ku’damm 56“ angesehen. Es ist aus heutiger Perspektive fast unglaublich, wie sehr sich Frauen nach dem Krieg der schönen Fassade wegen verbiegen mussten. Das Leben bestand aus unzähligen Lügen und der Flucht aus der Realität mit Frauengold, nur weil der schöne Schein eben genau das war: eine makellose Fassade. Selbstverwirklichung? Was für eine lustige Vorstellung. Frauen haben keine Bedürfnisse zu haben! Homosexualität, die nicht standesgemäße Liebe, der  heimliche langjährige Hausfreund und Liebhaber – nix gibt’s, wie mein vierzehnjähriger Sohn schön die Verneinung formuliert.

Wie gut, dass das alles vorbei ist und hinter uns liegt. Wir schreiben ein neues Jahrtausend, wir sind frei, wir sind selbstbestimmt: Wir dürfen heiraten, wen wir wollen. (Es gibt Gerüchte, wonach dies für einige Gesellschafsschichten von und zu Deutschland nicht gilt, aber das sind natürlich nur Vorurteile!) Wir dürfen lieben, wen wir wollen. (Außer auf dem Land. Und als Fußballspieler, als Angestellter einer Kirche oder wenn man Karriere machen möchte, aus einer konservativen Familie stammt, im Osten Deutschlands lebt oder vom falschen Kontinent stammt.) Wir dürfen sagen, wenn es uns schlecht geht, wir überarbeitet sind und uns alles über den Kopf wächst: in Selbsthilfe-Gruppen, Mütter-Foren, beim Psychologen und in der Burn-out-Klinik. Wir sind absolut frei und unabhängig, was unsere Bildung, die äußere Erscheinung und unsere Lebensführung betrifft. Vorausgesetzt, die Eltern ermöglichen eine gute Ausbildung, die Kleidergröße liegt zwischen 34 und 38 und ab Mitte 30 gibt es den festen Lebenspartner und als einziges „Problem“ die Frage Kind ja oder nein zu klären. Mit Größe 40 aufwärts, vormals Übergröße, heute Plus-Size, sollte man zumindest den Anstand haben, in allen sozialen Netzwerken live von den neuesten Diätmaßnahmen zu berichten. Friseurin, Erzieherin oder Sekretärin sind schöne Berufe, werden aber nicht als solche wahrgenommen, sondern möglichst verschwiegen. An den fantastischen Verdienst- und Karriereaussichten kann es doch wohl nicht liegen… Und außerdem darf wirklich jeder nach seiner Façon glücklich werden. Beth Ditto ist lesbisch, fett und erfolgreich. 

Es ist alles ganz anders und viel besser heutzutage. Wir müssen nicht den schönen Schein wahren. Wir leben ein stinknormales Leben in unserer Traumwohnung, haben unspektakuläre Berufe wie Webdesigner, Mediendesigner oder Consultant und sind manchmal richtig mies duckfacemäßig drauf. Das zeigen wir unserer Umwelt ganz offen und ungeschönt mit aktuellen Fotos, also pics, aus jeder Lebenslage, ohne Filter und ohne Weichzeichner... unterschrieben mit so hübschen Begriffen wie #nomorebedhair#thx@giacomosbeautypalace#neuefrisurneuefrau. Selbstverständlich geben wir Niederlagen und unschöne Erlebnisse zu, auch das grauenhafte Hotel im letzten Urlaub #cocktailampool#besturlaubever#geileparty), wie wir zuhause nach mehrwöchiger Putzabstinenz die Toilette schrubben (#newcouch#nailcouture#waszieheichheutean) und selbstverständlich stehen wir zu ALLEN UNZULÄNGLICHKEITEN UND MAKELN genauso wie zu unserem Alter (#besterbotoxdoc#40istdasneue30#mamatochterkleidertausch#schlankin5minuten). Alles ganz ohne Druck, weil es zum Glück keine Erwartungen mehr an uns Frauen, unser Leben und unser Aussehen gibt.

Ich bin froh, dass wir die Selbstinszenierung erfunden haben. Damit sind wir endlich nicht mehr gezwungen, so zu tun, als ob unser Leben perfekt wäre. Es genügen ein paar hübsche Bilder davon!

Muss jetzt leider ganz schnell weg, zur Schweißdrüsen-OP.

Freitag, 7. April 2017

Ein Suchbild: 1984 und 2017


Klassenzimmer im Gymnasium 1984:
Tische, Stühle, Lehrerpult, eine Tafel. Daneben Zirkel, Lineal und Geodreieck im Großformat. In der Ecke ein Tageslichtprojektor.

Klassenzimmer im Gymnasium 2017:
Tische, Stühle, Lehrerpult, eine Tafel. Daneben Zirkel, Lineal und Geodreieck im Großformat. In der Ecke ein Overheadprojektor.

Unterrichtsmaterial Gymnasium 1984:
Buch, Hefte, Stifte, Hausaufgaben mit selbigen.

Unterrichtsmaterial Gymnasium 2017:
Buch, Hefte, Arbeitshefte (passend zu den Schulbüchern der einzelnen Fächer und käuflich zu erwerben), Stifte, Hausaufgaben mit selbigen.

Unterrichtsthemen Deutsch Gymnasium 1984:
Erörterung, Protokoll, Textzusammenfassung, Textinterpretation, Bericht, Anzeige.

Unterrichtsthemen Deutsch Gymnasium 2017:
Erörterung, Protokoll, Erörterung, Erörterung, Textzusammenfassung.

Finde den Unterschied. (Lösung: s. unten)

Ich bin entsetzt, wenn ich sehe, dass im Gymnasium, der heiligen Kuh des deutschen Schulsystems – in den vergangenen 30 Jahren am Unterricht fast nichts modernisiert wurde. An den Hochschulen landen Abiturienten, die in YouTube-Filmen die Problemlösung bei Spielen erklären und auf Snapchat und Instagram im Sekundentakt ihr Leben posten. Leider sind sie nicht in der Lage, ihr Studium zu organisieren, weil sie keine Lernplattformen kennen. Das Synonym für Recherche heißt Wikipdia. Und dass man mit einem Tablet nicht nur spielen, sondern auch arbeiten kann, wissen sie nicht. Woher auch. Eine Anfrage-Mail von Studieninteressierten an der Universität sieht ungefähr so aus:
Von: SüßeSusi99@...
Betreff: (kein Betreff)
Nachricht: Ich will bei euch studieren. 🙆😙 was mus ichh tun?😱
Susi Müller

Na wenn das mal kein erfolgversprechender angehender Jung-Akademiker ist. Liebe Lehrer, die richtige Formulierung für eine einfach eMail, also die moderne Form eines Geschäftsbriefes, die in jedem Beruf und jedem Lebensbereich benötigt wird, könnte man in den Deutsch-Unterricht implementieren, ohne vorher eine vieljährige Lehrplan-Reform auszubaldowern. Das hat auch nichts mit G8 oder G9 zu tun. Anstatt in einem Schuljahr die Schüler dreimal mit Erörterungen zu langweilen, wäre es doch ganz prima, endlich den Sprung ins 21. Jahrhundert zu wagen und so etwas total Wildes wie die Kommunikation mithilfe moderner Medien zu üben. An den Lehrplan hält sich doch eh keiner.
Referate, von manchen Eltern misstrauisch als pure Faulheit der Lehrer beäugt, sind ein erster Schritt in Richtung „was Schüler im echten Leben brauchen können“. Warum lasse ich nicht auch mal einen Schüler ein Video drehen, in dem er seinen Mitschülern einen mathematischen Term erklärt: Was das überhaupt ist, wie ein Term aussieht, wofür man den braucht. Nein, das ist alles viel zu modern. Nur echte Bücher zählen, denn damit werden die meisten ihr ganzes Leben nie mehr konfrontiert. Diesen Genuss müssen Schüler im Gymnasium so lange und ausgedehnt wie möglich erfahren. Wer will schon wissen, dass direkt nach dem Abholen des Abi-Zeugnisses die Welt sich nur noch über Excel, SAP, Doodle, Moodle und eMails definiert. Wir pflegen verzweifelt einen Kult aus dem letzten Jahrtausend. Wir wollen keine Neuerungen und i bewahre bloß keine Orientierung an den Bedarfen im nachfolgenden Ausbildungs-, Studien- und Berufsleben.
Ach ja, die Lehrmittelfreiheit. Der Freistaat Bayern zahlt großzügig die Schulbücher. Deshalb nehmen wir nichts anderes her. Sonst fallen ja auch kaum Kosten an. Die ersten beiden Schulwochen im September kosten eine Familie mit zwei schulpflichtigen Kindern ca. 200 Euro: Hefte, gedruckte Arbeitshefte ergänzend zu verschiedenen Schulbüchern in Mathe, Deutsch, Englisch, Latein usw., Stifte, Pinsel, Zirkel, Material für Kunst, Werken, Kopiergeld. Weitere Ausgaben folgen den Rest des Schuljahres über. Schulbücher sind in der Regel zehn Jahre lang im Gebrauch. Vergisst eine Schule, rechtzeitig neue Bücher zu bestellen (oder die Mittel sind von der Stadt nicht da), gibt es auch mal – genau – keine Bücher. Zumindest keine aktuellen. Also noch mehr Kopien, noch mehr Arbeitshefte. Geile Sache, diese Lehrmittelfreiheit. Für Oldenbourg, Cornelsen und Klett.  

Aber bitte, wir können doch nicht verlangen, dass Kinder, die eine Playstation, WII oder einen Gamer-PC für mehrere tausend Euro zuhause stehen haben, ernsthaft mit einem Rechner und klassischen Anwender-Programmen, die wir Erwachsene jeden Tag nutzen, auch mal Hausaufgaben erledigen! Was für eine absurde Vorstellung.

Gut, dass old school und old fashionend gerade voll im Trend liegen. Hoffentlich wissen das auch die Arbeitgeber von morgen zu schätzen, wenn der Jahresbericht für die Aktionäre keine vollständigen Sätze, aber zahlreiche handschriftliche Notizen und Emojis enthält. J J J




(Lösung 1: Der Tageslichtprojektor heißt jetzt Overheadprojektor.
Lösung 2: Transferfrage: Die Schultasche 2017 ist schwerer, dafür werden weniger Themen durchgenommen.)

Dienstag, 14. März 2017

Kreativität im Punktesystem


Früher wollte ich niemals Kinder haben. Der Grund: sie müssten dann ja irgendwann zur Schule gehen. Für dieses Statement wurde ich nicht nur einmal ausgelacht. Meine eigene Schulzeit fand größtenteils in einem Mädchengymnasium statt. Schwierig für jemanden, der in einem stark männer-geprägten Haushalt aufwächst, aber das konnten meine Eltern vorab nicht wissen. Obwohl… Vielleicht wollte meine Mutter mich auch nur auf den rechten, also den christlichen, noch lieber den religiösen und am allerliebsten den geweihten Weg bringen. Eine Ordensschwester als Tochter hätte ihr ausgesprochen gut gefallen.

Es kam anders. Auch das Lyzeum konnte den Kontakt zu anderen Männern außerhalb meiner Familie nicht dauerhaft unterbinden. Inzwischen habe ich drei Kinder (Söhne, natürlich) und sie müssen zur Schule. Zwei bisher, der dritte hat noch eine kleine Schonfrist.

Und – wieder einmal – bewahrheitet sich mein Unkenruf. Nicht die Kinder sind schlimm oder nervig oder belastend für mein Seelenheil. Nein, das deutsche Schulsystem ist quasi mein Sarg um die paar Nägel Berufskummer, Familienstreit und Gewichtsprobleme. Mein mittlerer Sohn ist ein Philosoph. Mit knapp drei Jahren wollte er wissen, was mit den Menschen passiert, wenn sie sterben. Er interessierte sich dafür, woher die Stimme kommt und findet, dass es sich anhört als ob Watte einen umnebelt, wenn jemand schreit. Er kam mit sechs Jahren in die wunderbare bayerische Grundschule. Wissbegierig, kreativ und voller Freude. Jetzt weiß ich, vier Jahre sind viel Zeit, um einem Kind alle seine Antennen für Neues und Interessantes gründlich und vollständig zu ruinieren. Die ersten beiden Schuljahre verbrachte er damit, auszumalen. Mandalas, Mathe-Übungen, Leseblätter – er brachte unzählige graue Kopierseiten mit schwarzen Umrissen nach Hause, die es mit Farbstiften großflächig auszufüllen galt. Malen statt Schreiben, Malen statt Rechnen. Malen zur Belohnung, Malen nach Zahlen. In der dritten Klasse, spezifisch im neu eingeführten Lehrplan PLUS, sollten die Kinder nun vor allem eines lernen: Kompetenzen. Klingt gut, ist es aber nicht. Denn für Kompetenzen braucht es Grundlagen. Das Alphabet muss sitzen, damit ich meine Gedanken in Worte fassen kann. Und auch die tollsten Knobelaufgaben lassen sich nicht lösen, wenn ich die Fragestellung nicht erfasse, weil mein Leseverhalten im Buchstabiermodus hängen geblieben ist. Problem erkannt, Problem gebannt: Auswendig gelernt werden muss, was das Zeug hält. Und es geht weiter. In der vierten Klasse sollen nun die Hefteinträge wortwörtlich auswendig sitzen, damit nicht die Fragestellungen allein in den Tests vier bedruckte Seiten einnehmen, um klar und eindeutig zu sein. Dass zu den Symbolen einer Flagge ganz automatisch auch die Farben gehören ist doch logisch, so war es im schließlich Heft aufgemalt. Die Verwaltung einer Stadt, ihre Aufgaben, ihre Einnahmequellen, das deutsche Wahlrecht, alles muss sitzen, bis ins Detail. Und darüber hinaus möchten wir jetzt doch gern gleichzeitig auch noch kleine Forscher haben. Ideen, Kreativität, über den Tellerrand blicken sind die Eigenschaften, die aus der Note 2 (der komplett in- und auswendig abrufbare Lernstoff) die Note 1 machen. Was vielen Kindern in den ersten drei Schuljahren mittels unzähliger stupider Wiederholungen abtrainiert wurde, soll jetzt, auf den Punkt und ohne Übergang einfach da sein. Aber Vorsicht, zu kreativ darf es dann auch nicht sein. Und vor allem nicht in jede Richtung. Und bitte immer streng mit Punkten zu bewerten. Kreativität ist wie ein Würfel: Die Idee, die am meisten in die Richtung des Lehrerhorizonts geht, ist perfekt, alle anderen sind mäßig bis wertlos.

Gedanklich gründe ich eine Widerstandsbewegung und setze Herrn Spänle zusammen mit der ganzen Führungsriege des Bayerischen Kultusministeriums zusammen mit ein paar hungrigen Eisbären auf einer Scholle im Polarkreis aus. Die Klassenlehrer der vierten Klassen schwimmen auf der Scholle daneben. Tatsächlich bin ich noch unentschlossen: Soll ich am nächsten Elternsprechtag der „Fledermaus“ (temporärer und leicht überforderter Klassenleiter meines Sohnes) links und rechts eine runterhauen oder ist ein Kinnhaken besser? Oder klassisch das Knie hoch? Verdient hätte er es.

Ganz ehrlich: Ich habe nicht die geringste Ahnung, wie ich die nächsten Jahre überstehen soll. Was macht dieses kranke, überholte und überforderte Schulsystem aus meinen klugen, interessierten und lustigen Kindern? Bin ich kettenrauchende Alkoholikern, bis der Jüngste das Erwachsenenalter erreicht? Ich zeige jetzt ganz wörtlich allen heuchlerischen Schulamts- und Kultus-Verbrechern beide ausgestreckten Mittelfinger. Der einzige deutsche Philosoph, der von diesem Studium leben kann (also nicht ich), hat das Problem auch erkannt: „Anna, die Schule und der liebe Gott!“ Lieber Richard David Precht, ich bin weder reich noch berühmt, aber ich stehe voll und ganz hinter Ihnen! Und ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie sehr es mich freuen würde, wenn wenigstens Ihre Stimme der Vernunft mal an der richtigen Stelle gehört würde. Denn gute Ideen finden alle super, aber umsetzen will sie dann keiner. Komisch, oder? Soviel zur Kreativität unserer Kinder, die wir wollen, aber halt irgendwie auch nicht. Im tiefen Grunde ihres Herzens sehnen sich Lehrer und Chefs doch nach folgsamen, stumpfen, kleinen Soldaten, gestern, heute, morgen…

Epilog:

Fragestellung Klassenarbeit Heimat- und Sachunterricht Klasse 4 in München:

„Wenn ich von Russland nach Alaska reise, ist das nicht weit. Stimmt die Behauptung? Begründe!“

Antwort:

„Ja, das stimmt, weil die Erde rund ist.“ (2 Punkte)

(Alternativ wäre richtig gewesen: „Ja, das stimmt, ich kann die Karte umklappen.“)

Weiß Herr Putin eigentlich schon, dass Russlands aus Sibirien besteht und Petropawlowsk-Kamtschatka der Nabel der Welt ist? Vielleicht sollte er mal bei uns in die Grundschule gehen, das könnte sein Weltbild für immer verändern. Es ist ja nach überall hin nicht weit, wenn man’s genau nimmt. Die Erde ist rund...

Dienstag, 7. Februar 2017

Shitty Witters


Wir befinden uns im Jahr 2017, im Zeitalter von political correctnes und Wertewandel. Hausmeister und Putzfrau sind ersetzt durch Gebäudemanagement und Reinigungsfachkräfte. Statt Müllabfuhr kümmert sich die Abfallentsorgung um unseren Dreck. Und Orange ist nicht mehr dem Unrat vorbehalten, sondern ein Symbol für den mächtigsten Mann der Welt. (Lustiger Zufall.) Und der ist nicht nur mächtig, sondern auch überaus findig und kreativ. Als Germanistin regt sich in mir ein gewisser Neid. Denn Jakob und Wilhelm Grimm werden sich in Kürze aus ihren Gräbern stehlen, um die vielen schönen neuen Begriffe in ihr Kompendium aufzunehmen, die wir der aktuellen Führungsriege einer fast jungfräulichen Regierung im weltgrößten Immigrationsexperiment verdanken. Ich durchforste ständig die Nachrichten, denn täglich werden es mehr. Innerhalb der ersten beiden Wochen haben wir allein zwei neue Synonyme für das Wort Lügen gelernt: "Alternative Fakten" und das "Bemühen um die Wahrheit". Das blumige Versprechen, ein großes Land groß zu machen zählt nicht dazu. Es ist ja nicht gelogen, wenn ich etwas zu dem machen will, was es bereits ist. Überflüssig ja, aber nicht falsch. Vier wundervolle, fruchtbare Jahre liegen vor uns, linguistisch gesehen.

Dass eine Bevölkerung freiwillig genau den Krawallmacher zum ersten Mann im Staate macht, der sich im Vorfeld die geballte Feindseligkeit und Borniertheit seines Charakters auf seine überdimensional großen Fahnen schreibt, geschenkt. Das ist anderen Nationen auch schon passiert. Die Naivität, die hinter dieser Entscheidung eines hochentwickelten, aufgeklärten Landes steckt, erstaunt mich zwar, aber auch das - geschenkt. Wahrscheinlich ist das ähnlich wie bei uns: Das Wahlrecht müssen Drittklässler auswendig lernen. Danach werden Geschichte und Politik in die äußerste Peripherie der unbeliebten Nebenfächer abgeschoben. (Zweifler mögen sich das Geschichtsbuch eines Siebtklässlers ausleihen. Ja, so schlecht kann Schule sein.) Für die Ausbildung unserer Jugend zählt nur die maximale Gewinnspanne, ohne Rücksicht auf lästige Begleiterscheinungen wie soziale Komponenten (pfui!) oder Umweltschutz (igitt!) oder gar Konsequenzen (bäh!). Ein Land hat gewählt und ich finde, jeder hat das Recht, auch mal so richtig auf die Kacke zu hauen. Ich zum Beispiel habe schon mal die CDU gewählt. Also auch die dümmste Wahlentscheidung, geschenkt.

Was mich wirklich entsetzt, ist die absolute Blauäugigkeit von Außenstehenden wie von Betroffenen, die allen Ernstes in bester Gutmensch-Qualität meinen, diesem frauenfeindlichen, ausländerfeindlichen und narzisstischen Proleten eine faire Chance geben zu müssen. Ihn respektvoll zu behandeln und nicht zu verurteilen.

Ähm, NEIN! Das ist kein Clown, der irgendwann seine Maske abnimmt und sagt: „Reingelegt!“ Der Mann ist so echt wie ein Fliegenpilz giftig. Und jemanden, der penetrant die Öffentlichkeit über soziale Netzwerke mit seinem gequirlten Bullshit belästigt und nichts und niemanden respektiert außer sich und seine Wünsche, den muss ich nicht respektvoll behandeln, selbst wenn es der Präsident persönlich wäre. Eine solche Person braucht Gegenwind, und zwar ordentlich.



Schafft von mir aus Mathe in den Schulen ab. Die deutschen Schüler sind darin eh grottenschlecht. Physik, Französisch - egal. Aber macht Geschichte endlich zum Hauptfach. Mir jedenfalls kommt das Szenario irgendwie bekannt vor: Ein gewählter Egomane mit "hohen" Zielen, eine Bevölkerung, die es super findet, dass einer so schön laut schreien kann, auch wenn es nur Blödsinn ist, und viele Versprechen zur goldenen Zukunft eines Landes. Und jede Menge Zuschauer.

Deshalb: Pussies aller Welt, vereinigt euch! Grab ‘em by the eggs. Und wer sich die Hände nicht schmutzig machen will, das Knie tut's auch.

Mittwoch, 1. Februar 2017

Elternchat - Der Wahnsinn hat Methode




30.01.17, 08:53 - DER ELTERNBEIRAT!!: Hallo ihr Lieben,
Es geht um unser Sommerabschlussfest. Ich habe leider erst 3 Rückmeldungen bekommen. Es wäre doch schön, bla bla. Vielen Dank. Liebe Grüße Petunia
(= Ich bin fleißig!)

30.01.17, 08:58 - Susi T.: Hmmm... Gut, dass Du Dich meldest - ist bei mir nicht angekommen 😑
30.01.17, 08:59 - Susi T.: Ich melde mich dann!

30.01.17, 09:01 - DER ELTERNBEIRAT!!: 😂😂😂Hab ich mir schon gedacht. 😉
30.01.17, 09:02 - DER ELTERNBEIRAT!!: Geht mir öfter auch so.
😂

(= Mir ist langweilig!)

30.01.17, 16:10 - Claudia: Hallo Petunia, finde ich super. Übernachten würde Serafina gerne ohne Mama 😉 Die kosten könnte man ja durch alle teilen. Zum Abholen kann ja jeweils eine Mama mehrere Kinder mitnehmen. Geschenktipp für Frau Lehrerin: ein Gutschein von Lalita.

(Geile Idee, ohne Mama. Und die Fahrerei drücke ich auch noch jemandem aufs Auge.)

30.01.17, 16:35 - Die Schröders: Hallo ,
auch wir finden die Idee prima. Louise freut sich über eine Übernachtung ohne Eltern
😉 LG, Heidi

(= Fort mit dem Gör!)

30.01.17, 16:37 - DER ELTERNBEIRAT!!: Danke Dir
(= Mir ist langweilig. Bitte schreibt mir.)

30.01.17, 16:53 - Ger Linde: Hallo ! Die Übernachtung ohne Eltern finden meine zwei auch super. LG Gerlinde
(= Mein Mann und ich sind schon ganz aufgeregt.)

30.01.17, 17:14 - Emma T.: Hi. Leonie und co sind nicht für Perlhof und die Übernachtung. Wir schlagen Feier am Baggersee oder Biergarten vor. Denke aber das Datum sollten wir fest setzen. Wir haben dieses Jahr im Sommer viele Familienfeiern. Lg Emma T.
(= Ich weiß, ich bin ein Spielverderber, aber ein bisschen Planung wäre doch auch nett.)

30.01.17, 17:14 - DieFraudieallesweiß: Wer ist co?
(= Halt’s Maul, du blöde Schnepfe, und mach den anderen nicht meine super Idee madig. Meine! Idee!)

30.01.17, 17:15 - Emma T.: Die Eltern. 😂
(= Do-hoch. Ätsch.)

30.01.17, 17:44 - ‪+49 Anita H.: Hey.
Auch wenn sich jedes Kind auf Übernachtung ohne Eltern freut,  müssten ja doch welche mitfahren!!! Wer übernimmt da die Verantwortung???
Perlhof is super spaßig wir sind dabei.  Alles andere ist aber auch toll.
Abschiedsgeschenk....ein Photoalbum, wo jeder eine Seite gestaltet...?!?...  LG
(= Bitte, bitte nicht streiten. Ich habe euch alle lieb und finde alles gaaaanz toll. Lasst uns jetzt mal alle ganz feste drücken und kuscheln.)

30.01.17, 18:07 - Romy: Hallo, Julie wird sich bestimmt auf dieser Feier mit Übernachtung am Perlhof freuen. Wir (Eltern) feiern auch gern mit aber möchten nicht übernachten. Wir beitragen aber gerne zu den Kosten den Eltern, die übernachten. Aber ein schöner Nachmittag an einem See oder Biergarten ist auch schön. Lg Romy
(= Macht doch, was ihr wollt.)

30.01.17, 18:23 - Ger Linde: Lindengarten  oder irgendein anderer Biergarten  wären auch super.

(= Probier’s mal … mit Sachlichkeit...)

30.01.17, 18:42 - Susi L.: Linda würde auch auf dem Perlhof übernachten
(= Deine Meinung interessiert keinen. Wir wollen den Partyabend und unsere Ruhe.)

30.01.17, 18:42 - Susi T.: Julius würde gerne zum Perlhof und übernachten - mit mir oder ohne mich! Ansonsten finde ich Biergarten (am besten mit Spielplatz) besser als See.
(= Eigentlich sind wir gerade ziemlich knapp, seit wir die 900.000€-Doppelhaushälfte gekauft haben.)

30.01.17, 18:48 - Susi T.: Finde Lalita-Gutschein für Frau Lehrerin toll! Und Was persönliches dazu als Erinnerung? Könnten wir bei einem Elternstammtisch besprechen...

(= Bis zur Party ist es viel zu lange hin und mein Mann geht mir auf den Sack.)

30.01.17, 18:53 - DER ELTERNBEIRAT!!: Ich habe das schon mal gemacht mit einer Klasse am Perlhof. Versichert sind die Kinder auf diesem Bauernhof über den Perlhof. An- und Abfahrt müssten wir selbst übernehmen, Ich wäre auch wieder bereit, dort mit zu übernachten. Allerdings bräuchte ich noch mindestens 2 Freiwillig.😉
Während der ganzen Zeit werden die Kinder eh beschäftigt durch die Hilde,  Es geht quasi nur um die Nachtaufsicht.
Liebe Grüße
Petunia
(= Ich bin die Beste!!!)

30.01.17, 18:53 – Tante Ju hat die Gruppe verlassen

(= Ihr bl* F*!)

30.01.17, 19:01 - Lalita: Hallo Petunia,
 die Ashanti würde sich sehr freuen auf dem Perlhof zu übernachten. Wir ( die Eltern ) wären auch einverstanden. Wir können beim Elternstammtisch über den Gutschein reden.
LG Lalita
(= Ich höre meine Kasse klingeln.)

30.01.17, 19:03 - DER ELTERNBEIRAT!!: Ja, dass können wir gerne machen.
30.01.17, 19:04 - DER ELTERNBEIRAT!!: Dann brauchen wir noch einen Stammtischtermin.
(= Wir brauchen mindestens vier Termine.)

30.01.17, 19:05 - Lalita: Genau 👍
(= Ich höre meine Kasse klingeln.)

30.01.17, 19:20 - Olympia: Hallo Petunia, wir finden die Idee mit dem Perlhof auch super! LG
(= Na endlich, der letzte Stammtisch ist schon 6 Wochen her.)

30.01.17, 19:24 - DER ELTERNBEIRAT!!: Sehr schön, jetzt sind es schon 13 Kinder, die gerne zum Perlhof möchten.
30.01.17, 19:32 - DER ELTERNBEIRAT!!: Ach nein es sind schon 14 Kinder

(= Ich bin die Tollste!)

30.01.17, 20:32 - +49 1515 xxxxx hat die Gruppe verlassen

(= Morgen bringe das iPhone, das auf der Straße lag, zum Fundamt.)

31.01.17, 08:10 - ‪+Millimeta: Guten Morgen Petunia, Vroni würde sich auch freue dabei zu sein, Übernachtung ohne Eltern ist cool 😉👌!
(= Jipee, Swingerclub, wir kommen!)

31.01.17, 08:16 - DER ELTERNBEIRAT!!: 😂😂😂Danke für Deine Antwort.
(= Jaaaaa doch. Aber first things first: Stammtisch? Stammtisch!)

31.01.17, 13:03 - Milva: Hallo Petunia Marco ist zur Zeit krank.. was ich aus ihm verstehen kann ist daß er sehr gerne am Bauernhof feiern möchte aber er ist sich nicht sicher ob er übernachten möchte.wäre es möglich kurzfristig zu entscheiden? Ist diese Lösung möglich? Lb Gr Milva
(= Wir wollen uns keinesfalls festlegen.)

31.01.17, 15:39 - DER ELTERNBEIRAT!!: Das dürfte schon gehen.  Ich kann ja die Hilde schon mal darauf vorbereiten,  dass es evtl. noch ein Kind mehr wird.

(= Kurzfristige Anmeldung? Klasse Idee, warum bin ich nicht selbst draufgekommen?)

31.01.17, 15:40 – Mamma Mia hat die Gruppe verlassen
(= Ihr seid alle bescheuert.)

31.01.17, 15:43 - Milva: Alles klar danke! Was machen die restlichen Kinder die nicht übernachten möchten? Ist die Entscheidung der Location der Abschiedsfeier schon gefallen?

(= Gibt es eine zweite Party für die anderen?)

31.01.17, 15:45 - Emma T.: Ich fände es besser, das wir vorm finalen Entscheiden erstmal den Tag bräuchten. Nicht das dann plötzlich doch weniger können. Lg
(= Sorry, Spielverderber, ich weiß.)

31.01.17, 15:57 - DER ELTERNBEIRAT!!: Es ist mir schon klar, dass wir dann auch erstmal den Termin brauchen,  aber ich konnte noch nichts ausmachen,  wenn ich nicht weiß,  ob überhaupt Interresse von der Mehrheit besteht. Das man es nicht jedem recht machen kann, auch wenn ich es gerne würde,  ist mir auch bewusst.
Ich warte noch diese Woche ab, wer jetzt noch dazu kommen möchte, denn alle haben sich noch nicht gemeldet. Im Moment sieht es so aus; dass die Mehrheit dahin fahren möchte. Es sind bereits 17 Kinder. ZWEI möchten gar nicht,  einer enthält sich noch der Stimme und vom Rest habe ich noch keine Antwort.
Liebe Grüße
Petunia
(= Das ist mir wurscht. Ich finde meine Idee geil.)

31.01.17, 16:14 - Tina: Also Tom möchte natürlich schon - und würde auch mit übernachten - ich fände nur, dass ein Biergarten/ Spielplatz besuch vollkommen ausreichen würde.... also wenn's stattfindet, kommt er gerne mit! Allerdings nur wenn er alleine mitkommen darf - für mich ist der Aufwand gegen Ende des Schuljahres mit Übernachtung terminlich nicht drin Fr auf Sa... Tina
(= Ich finde die Idee zum K*. Aber ich will, dass mich alle lieb haben.)

31.01.17, 16:48 - Anna L.-E.: Lucien würde alles mitmachen, er würde ebenso übernachten (ohne uns) als auch im Biergarten spielen. Allerdings würde ich das Übernachten vom Termin abhängig machen, da unsere Wochenenden ziemlich verplant sind und er nur jedes zweite Wochenende bei uns ist.
(= Gähn... Habt ihr’s bald?)

31.01.17, 21:33 - DER ELTERNBEIRAT!!: Liebe Tina,
wir hatten am letzten Stammtisch darüber gesprochen und auch schon am Ende des letzten Schuljahres, dass wir gerne zum Abschlussfest der 4. Klasse evtl den Perlhof in Betracht ziehen würden. Der Gedanke war, dass wir dort nur feiern mit unseren selbst mitgebrachten  Sachen. Es ist dort auch sehr viel geboten und somit wären die Kinder zusätzlich  beschäftigt und die Eltern hätten die Gelegenheit, sich miteinander auszutauschen ( ratschen). Da dies so leider nicht mehr geht hatte ich Euch nur mitgeteilt,  welche Option möglich ist, ohne Bewertung. Es freut mich allerdings, dass es doch großen Anklang findet. Es  wird bestimmt sehr schön und mit der Übernachtung auch eine sicher unvergessliche Zeit, an die sich die Kinder bestimmt noch lange zurück erinnern werden, denn sie werden so, in dieser Zusammensetzung, vermutlich nie wieder zusammen kommen.
Liebe Grüße
Petunia
(= Wenn noch jetzt nochmal einer gegen unsere Idee stänkert, rufe ich zum Lynchmord auf!)

31.01.17, 21:34 - DER ELTERNBEIRAT!!: Hallo Anna,
super, dass auch Lucien evtl mit dabei ist.
Danke für die Antwort.
Liebe Grüße
Petunia
(= Genau das will ich hören. Und jetzt sei ruhig.)

01.02.17, 09:41 - DER ELTERNBEIRAT!!: Hallo ihr Lieben,
da sich die Mehrheit unserer Klasse für den Perlhofaufenthalt  entschieden hat,  bin ich heute schon mal mit der Hilde vom Perlhof in Kontakt getreten und habe einen Termin. Uns steht der 14.7./15.7. ( Fr./ Sa.) und als Ausweichtermin im Moment noch der 21.7/22.7.,
zur Verfügung.
Bitte teilt mir doch kurz mit ob und wann ihr könnt bzw. auch wenn beide Termine passen. 
Liebe Grüße
Petunia
(= Ich bin die Größte!)

01.02.17, 09:45 - Lala Allerschönst: Hi Petunia, vielen herzlichen Dank für deine Bemühungen. Bei uns würden beide Termine passen!
LG Lala
(= Hallo?! ich bin auch wichtig! Vergesst das bitte nicht.)

01.02.17, 09:45 - DieFraudieallesweiß: Bei uns passt der 14.7. gut!
Der änder Termin wäre eventuell schlechter! Super Organisation, Danke!
LG Gundl
(= Ich bin noch viel wichtiger!)

01.02.17, 09:54 - Susi T.: Bei uns passen beide!
01.02.17, 09:55 - Hempls: Bei uns passen auch beide Termine...
01.02.17, 10:02 - Olympia: Bei uns passt besser 14.07.! Danke
01.02.17, 10:26 - Die Schröders: Hallo Petunia,
bei uns passt der 14.07/15.07 leider gar nicht. Dafür geht aber der 21.07/22.07.
LG, Heidi
01.02.17, 10:27 - Tina: ... bis jetzt gingen bei uns noch beide Termine...
01.02.17, 10:32 - ‪+49 Anita H.: Bei uns geht alles beide.
01.02.17, 10:45 - Lalita: Hallo Petunia,
danke nochmals für deine Bemühungen. Bei uns würde auch beide Termine passen!
01.02.17, 10:48 - ‪+Millimeta: Petunia, danke für deine Bemühungen! Bei uns passt 14.7 !
01.02.17, 10:51 - Romy: Bei uns passen beide Termine. Danke Petunia.
01.02.17, 11:57 - Elke Sommer: Bei uns passt der 21.7.Danke
01.02.17, 13:27 - Claudia: Beide Termine passen vielen Dank Claudia
(= Elternstammtisch, bitte!!!)



Epilog: Unzähligen weitere Mails, fünf Elternstammtische. Fazit: Fünf Kinder können am 14.7. auf dem Perlhof übernachten. Da dies die Mehrheit ist, wird der Ferienhof gebucht. Zwei Kinder müssen zehn Tage vor der Veranstaltung leider aus „familiären Gründen“ ihre Teilnahme absagen. Eine Woche vorher kehren die Kinder zusammen mit den Schülern dreier anderer Klassen aus dem Schullandheim zurück. Da der Pausenhof nicht genügend Parkplatz für die 120 Pkw der abholenden Eltern bietet, kommt es zu einer Massenschlägerei. Der als Aufsicht eingeplante ELTERNBEIRAT!! wird von einem herumfliegenden Autoschlüssel am Kopf getroffen und kommt mit dem Verdacht auf akuten Ausfall des Denkvermögens ins Krankenhaus. Der Perlhof-Abschluss wird abgesagt. Die Kosten werden auf alle Mitglieder der Klassengruppe umgelegt.



Nachwort: Alle Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind weder zufällig noch unbeabsichtigt.

Dienstag, 25. Oktober 2016

Old Fashioned


Ich besitze keinen Fernseher, weil ich am liebsten lese oder Filme ansehe – ohne lästige Werbeunterbrechungen. (Ja, so war das früher.) Nachrichten finde ich prima, wenn tatsächlich Informationen transportiert werden und nicht nur Schlagzeilen. Dafür gibt’s das Blatt mit den vier Großbuchstaben und ohne TEXT. Ich besitze nur ein Auto und auch kein Mobiltelefon mit angebissenem Apfel. Für runde eintausend Euro kaufe ich Schmuck, aber keinen Gebrauchsgegenstand, der mir ständig aus der Hand und, wenn ich Pech habe, auch mal in die Toilette fallen kann.

Mit meiner Einstellung fühle ich mich manchmal ziemlich alleine. Es ist unmodern, Freizeitsport zum Spaß zu treiben, ohne Trainingsplan und den Iron Man als Ziel. Wenig überraschend oute ich mich gleich bei dieser Gelegenheit offiziell als Facebook-Muffel. Eigentlich wollte ich zu alten Bekannten nicht gänzlich den Kontakt verlieren. Jetzt muss ich deren Nachrichten suchen zwischen den zahllosen Posts von der Personenwaage meines diätenden Kollegen vor und nach dem Stuhlgang und dem minütlichen Statusreport der zwanzigjährigen Praktikantin. (Okay, es ist sein Gewicht morgens, mittags und abends – kommt aber irgendwie aufs gleiche raus, oder?)

Meine unzeitgemäße Lebenseinstellung zieht sich wie ein roter Faden durch den Alltag: beim Einkaufen, Arbeiten, in Schule und Kindergarten. Ich will weder eine Lebensversicherung abschließen noch ein Konto eröffnen, wenn ich bei der Post Briefmarken einkaufe. Ich möchte bei der Arbeit arbeiten, und nicht networken, Umfragen beantworten oder mich von Lieferanten bei der Bestellung von Verbrauchsmaterial maßregeln lassen. Ey, ich bin der Kunde. Und wenn ich neuen Toner bestellen will, dann erwarte ich eine Lieferung und keine Diskussion über meinen Bedarf! Ich dachte, die Planwirtschaft sei mit der DDR gestorben. Von wegen.

Und weil wir, ein kleines Zugeständnis an die Moderne, beide berufstätig sind, nehmen mein Mann und ich für unsere Kinder neben der Schule eine Betreuung für die Kinder in Anspruch. Was soll ich sagen? Wir bekommen am Elternabend von den Lehrkräften erklärt, was an Stoff durchgenommen wird, damit !wir! das Thema mit den Kids !zuhause! üben können. Regelmäßig finden Belehrungen statt über unsere elterliche Pflicht, Hausaufgaben zu kontrollieren und vor kurzem war in der Grundschule ein Motivationsvortrag: Eltern lernen ihren Kinder beizubringen zu lernen. Und wozu gehen die in die Schule? In der Kindertagesstätte bin ich permanent am Ausreden erfinden: Ich will nicht zu Elterncafés, Elternstammtischen, zu Eltern-Kita-Kind-Ausflügen und -Feiern und Kennlern- und Spielnachmittagen. (Pssst: Kann auch durchaus vorkommen, dass ich arbeiten muss, also die Betreuung des Kindes brauche. Aber das ist unser Geheimnis!) Es gibt ein wunderbares neudeutsches Wort: Kernkompetenz. Ich möchte einfach nur, dass mein Kind gut versorgt und glücklich ist, während ich arbeite, dass es spielen kann und Freunde hat. Und meine Freizeit organisiere ich selbst. Mir fallen durchaus Dinge ein, die man unternehmen kann. Ohne "Hilfe" und noch mehr Termine. Jetzt naht der Advent. Heißt, ich soll Plätzchen und Kuchen backen und abpacken und verkaufen und wieder zurückkaufen für daheim. Also irgendwie entgeht mir der Sinn der beiden Zwischenschritte. Abgesehen davon gibt es in unserer Familie noch ein paar Personen und Interessen mehr, und wenn ich zu jeder angebotenen Veranstaltung von Kindergarten, Hort und Schule gehe, lande ich nach spätestens vier Wochen in der Klappsmühle. Weil erfahrungsgemäß immer und überall die gleichen dämlichen Fragen und schlauen Sprüche abgesetzt werden und die Ein-Kind-Helikopter-Eltern nicht genug haben können von den vielen tollen Events, wo ihr Goldstück immer und überall aus der ersten Reihe mit Serienauslöser fotografiert werden kann.

Von mir aus trinkt Kaffee und macht Feste, wenn es euch glücklich macht. Aber nicht als Zwangsarbeit für alle. Wo bleibt die Toleranz? Noch so ein modernes Wort, das gern verwendet, aber selten gelebt wird. Über meine Lebenszeit bestimme ich. Genauso wie über meine Einkaufsgewohnheiten als zahlender Kunde. Ich möchte weder Alternativen noch Ergänzungen oder herablassende, belehrende Sprüche. Ich will genau das, was ich bestellt habe! Wer samstags zur Autowaschanlage fährt, ist wohl nicht begeistert, wenn das Fahrzeug auf dem Band durch eine defekte Anlage gezogen wird, um bei der Ausfahrt zu erfahren: „Wäsche is heut nicht. Dafür hama ne Vorführung von der Senioren-Samba-Gruppe Buxtehude."
Flirten betrifft mich eher weniger, aber ganz ehrlich, darüber bin ich unsagbar froh! Mit Selfies und Photoshop den Traummann respektive die Traumfrau finden - hallo? WYSIWYG - R. I. P.!

Auto waschen in der Waschanlage, Kinderbetreuung in der Kita, Unterricht in der Schule, Postsachen auf der Post, Flirten überall. Ist doch eigentlich ganz einfach. Aber sowas von altmodisch…


Mittwoch, 15. Juni 2016

Und wer schießt jetzt die Tore?

Er ist wieder da! Mein zweiter Lieblingslandsmann, gleich nach Winfried Kretschmann, nämlich der mit der schwarzen Pixie-Frisur und dem besten Riecher seit Jean-Baptist Grenouille. Deutschland wird flächendeckend schwarz-rot-gold, das Fußballtrikot zum Dresscode und Oliver Welke vom Geheimtipp zum Allgemeingut. 
Die EM hat begonne, die Fahnen werden an die Autos montiert und Deutschland rückt enger zusammen als die Festzeltbesucher der Münchner Wies'n. Endlich gibt es wieder was zum Fiebern & Freuen... und einen Grund, all die schlimmen Nachrichten zu vergessen, die in den vergangenen Monaten so geballt auf uns einstürzten: Terrorangriffe weltweit auf unsere Freiheit, Millionen von Flüchtlingen, die Aussicht auf das Traumpaar Trump/ Petry als künftige Weltenherrscher, Blödelgedichte, die Staatskrisen auslösen und dazu noch unsere fast schon lapidar anmutenden Umweltsorgen (Glyphosat ist vielleicht ungesund, Plutonium eventuell auch. Zuviel Öl, Gifte und Kunststoffe, die im Boden versickern und im Meer landen, könnten unser Ökosystem negativ beeinflussen - möglicherweise.) Das vergessen wir jetzt mal ein paar Tage. Allabendlich finden wir uns in den nächsten vier Wochen einträchtig vor den Fernsehern und Großleinwänden wieder. Männer und Frauen, junge, mitteljunge und Best-Ager, sogar ganze Familien sitzen einträchtig beisammen und genießen diese einzigartige Atmosphäre. Wir teilen Whatsappbilder von Neugeborenen im Fußballtrikot und vom nachbarlichen Grill mit Bratwurst schwarz-rot-gelb. Das Wetter ist noch nicht so richtig in Stimmung, stört aber keinen. Es ist schön, fast friedlich und endlich mal wieder ein bisschen unbeschwert, wenigstens für ein paar Stunden.

Außerdem ist es cool (WIR sind Weltmeister), und super spannend. Unsere Nationalmannschaft besteht trotz WM-Titel nicht nur aus großen Namen, es tragen auch sehr junge Männer das deutsche Trikot, deren Karriere noch ihnen liegt - was im Moment ein paar Insider wissen und nach der EM die halbe Welt. Nicht zu vergessen die alten Hasen, Neuer, Müller und Lu-lu-lu-kas Podolski (sang mein Ältester vor acht Jahren im Kindergarten). Eventuell entsteht derzeit noch ein neuer Frisurentrend auf dem Fußballplatz: Silber ist das neue Schwarz/ Blond/ Braun... Mich würd's freuen.

Meine vier Männer und ich wir sind auch voll dabei und genießen den abendlichen Ausflug in ein fast sorgenfreies Europa. Allerdings habe ich immer das Gefühl, dass etwas nicht stimmt in der deutschen Elf... Ohne Frage, Bastian Schweinsteigers Entwicklung vom Spielführer zum Joker ist nicht traurig, sondern fantastisch. Dank kurzer Spielzeit bleibt den gegnerischen Mannschaften keine Zeit mehr, ihn krankenhausreif zu schlagen. Drei Minuten Spielzeit für ein Tor - das nenne ich Effizienz. Joachim Löw hat schon früher bewiesen, was er kann. (So gut, dass die Presse vor lauter Langeweile über ihn jetzt auf Proll-TV-Bilder absinkt, um überhaupt etwas über ihn zu berichten.) Das Auftakt-Spiel war nicht schlecht, und Thomas Müller findet bei seinem Einsatz gegen Polen bestimmt hinter dem Torpfosten hervor, hinter dem er sich beim letzten Spiel versteckt hat.

Aber es gibt eine Lücke, eine ziemlich große. Die ehemalige Nummer 11 fehlt und sein Nachfolger kämpft mit den gewaltigen Fußstapfen. Miroslav Klose, alias der Knipser. Ganz im Vertrauen: Ich würde polnisch lernen, um noch einmal den Salto zu sehen! Leider sind wir nicht bei Rosi Pichler, da funktioniert das. Ja, es sind auch andere zurückgetreten, ja, es gibt tolle neue Talente (s. o.). Ein bisschen Wehmut muss jedoch erlaubt sein. Weil einer fehlt, der eben nicht so präsent und mediengeil und im Vordergrund war. Der genial gespielt und Tore wie am Fließband geschossen hat, ohne sich bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit das Trikot vom Leib zu reißen, einer, der nicht Arroganz aus allen Poren geschwitzt hat.


Lieber Miro Klose, vielen Dank für deine Zeit in der deutschen Nationalmannschaft und grandiosen Fußball! Danke, dass du ein zuverlässiger Torjäger mit mustergültiger Disziplin und ohne Allüren bist. Danke für unvergessliche Momente, akrobatische Einlagen und die kürzesten Pressestatements der Fußballgeschichte. Danke, dass du kein Selbstdarsteller bist, sondern einfach nur gut spielen willst. Das ist wahre Größe.

Donnerstag, 22. Oktober 2015

Lernen lernen

So heißt ein Vortrag, der demnächst an der Schule meines Sohnes angeboten wird. Dort sollen Eltern erfahren, wie sie ihren Kinder beibringen, selbständig und motiviert Hausaufgaben zu erledigen und sich auf Leistungserhebungen vorzubereiten.

Klingt gut? Ich finde es eine Frechheit sondergleichen, weil von der Schule nun das nächste Aufgabengebiet auf die Eltern abgewälzt wird. Erwähnte ich bereits, dass ich über eine Grundschule spreche? Hier sind ausschließlich Kinder zwischen 5 und 10 Jahren. Das heißt, ich habe bei dem Vortrag die wunderbare Chance zu lernen, wie ich meinem 8jährigen Kind beibringe, selbständig und in Eigenverantwortung zu arbeiten...

In Deutschland besteht Schulpflicht. Eltern sind gesetzlich dazu verpflichtet, ihre Kinder in eine Schule zu schicken. Was vor zweihundert Jahren eine Bereicherung und ein immenser Fortschritt für unsere Gesellschaft war, hat sich inzwischen zur Höchststrafe entwickelt. Weil es bedeutet, dass Kultusministerium und Schulen machen können, was sie wollen - die Kundschaft kommt trotzdem. In den ersten beiden Schuljahren hatte mein mittlerer Sohn wenig Unterricht. Die Lehrerin, ausgestattet mit wenig Erfahrung und einem vierjährigen Hyperaktivling zuhause, verschwendete keine Zeit auf lästiges Vor- und Nachbereiten. Statt dessen gab es unzählige kopierte Blätter, fast immer mit dem Aufgabenbereich Ausmalen: Rechnungen in Ausmalform, Silbenbögen zeichnen, Lernwörter malen, Uhren, Jahreszeiten, Abfall - alles ward in Bildform verewigt. Außerdem hatte er das Glück, unfreiwillig an der Erprobung eines neues Lehrsystems vom Kultusministerium aus teilzunehmen: Grundschule PLUS. Ohne Zwänge und ganz frei, je nach Leistungsvermögen der Kinder gibt es keine fixen, einheitlichen Klassenziele mehr.

Nun hat uns in der dritten Klassenstufe eine weitere Neuerung überrascht: Leistungserhebungen, hierzulande Proben genannt, werden nicht mehr angesagt. Für Nicht-Schuleltern: Diese Proben bestehen in Klasse 3 und 4 aus mindestens drei Din A 4 Blättern mit Mathematikaufgaben, aus einem 2seitigen Text mit ca. 6-10 Verständnis- und Grammatikfragen oder aus mehreren Blättern mit Fragen zum Thema Wald, inklusive der Bodenschichten, Fauna und Flora sowie des Umweltgedankens.  Abgefragt wird Wissen, das jeder Erwachsene aus dem Stand parat hat. ;-) Mir vergeht das Lächeln, weil ich inzwischen zuhause Parallelunterricht abhalte. Die Lehrerin ist seit zwei Wochen krank, der Stoff wird von irgendwelchen Aushilfen vermittelt (oder auch nicht), und von den ersten beiden Schuljahren (Grundschule PLUS!) sind keine Grundlagen da, auf die ein Kind aufbauen kann.
Vielleicht dürfen wir deshalb zum "Lernen lernen": Damit wir doofen Eltern endlich wissen, wie wir uns den Stoff aneignen. Der nächste Vortrag dürfte dann sowas sein wie "Lehren lernen - so vermitteln Sie Ihr Wissen an Ihr Kind". Gut, dass wir das geklärt haben.

Übrigens gibt es seit diesem Schuljahr eine neue Subtraktionsweise. Ich verstehe sie nicht. Sie ist auch nicht beim DZLM (Deutsches Zentrum für Lehrerbildung Mathematik) aufzuspüren. Aber wenn mein Sohn sie in der nächsten Probe nicht anwendet, bekommt er Abzüge. So geht das.

Mittwoch, 22. April 2015

Streik halt – mir doch wurscht!

Und jetzt strecke ich meine virtuelle Zunge raus. Gaaaanz lang. Bis man das Gaumenzäpfchen sieht. Herrn Weselsky zum Beispiel. Immer wieder fehlen mir schmerzhaft ein paar Emoticons in meiner schönen digitalen Kommunikationswelt. Das „Bäääh-Emoticon“ nämlich. Genauso wie ein Kotz-Smiley, Sie wissen schon, so ein richtiger Strahl, wie es sich Otto bei seinen Ottifanten noch traute. Ist wahrscheinlich im Zeitalter von Cybermobbing strengstens untersagt.

Schön, dass man uns mal wieder die Eigenverantwortung abnimmt aus Angst vor Missbrauch. Und warum verdammt und zugenäht darf dieser sächselnde Profilneurotiker mit Adolf-Gedächtnis-Schnauzer sämtliche Pendler im öffentlichen Fern- und Nahverkehr mobben, ohne jede Rücksicht auf Verantwortung, Maß und Ziel? Die Streiks dauern nicht nur ein paar Stunden, sondern gleich Tage. Betroffen sind vor allem Berufstätige, die auf ihren Job und die Einhaltung von Arbeitszeiten angewiesen sind. Die zu bestimmten Zeiten auch wieder zuhause sein müssen, weil der Kindergarten schließt. Und Schüler, also Kinder, die in unserer Gesellschaft ohnehin keine Lobby haben.
Das ist alles sehr schön für den Mann, der dieser Tage bekannter ist als Frau Merkel. Und auch deutlich unbeliebter. Ich habe heute, einem verständnisvollen Arbeitgeber sei dank, aus der Not eine Tugend gemacht und bin zuhause geblieben. Ätsch, du blöde GLD. Nachher treffe ich mich mit Freunden, was ich unter der Woche sonst nicht kann, weil ich – wie die meisten Bundesbürger zwischen 25 und 65 arbeite. Ähätsch!
Ich kann heute so viel Kaffee und Tee trinken wie ich will, nebenher schreiben, arbeiten, Zeitung lesen, in die Sonne sitzen... Doppel-Ätsch!
Und morgen ist ohnehin mein freier Tag. Ätsch ätsch ätsch.

In zwei Wochen hole ich mein Motorrad ab und verzichte auf den Zug. Weil ich absolut keine Lust habe, noch länger wildfremde Menschen auf meinen zarten Nerven herumtrampeln zu lassen. Das ist Aufgabe der Kinder. Früher hat die Bahn dem Staat gehört, hatte als Personenbeförderung  auch eine soziale Verpflichtung und fuhr. Meistens sogar pünktlich. Heute gehört sie Aktionären (dem Staat), die Fahrpreise steigen stetig – und sie fährt nicht mehr. Und wenn doch, dann nicht pünktlich. Ich wünsche mir – und allen anderen vom öffentlichen Verkehr abhängigen Steuerzahlern – eine baldige Auflösung der GDL, Herrn Weselsky einen Dschungeltrip ohne Wiederkehr und ein einziges Mal 4 Wochen DB am Stück ohne Ausfälle wegen Sonne, Regen, Wind, Wolken, technischen Defekten etc. Wetten, dass nicht?
Zwischen Wahnsinn und Verzweiflung am Bahnsteig hatte ich einige Ideen für künftige Werbeslogans:

„Ihr müsst zur Arbeit – mir doch egal! Deutsche Bahn“
„Wir fahren weder bei Wind noch bei Wetter und schon gar nicht wie Sie wollen! Deutsche Bahn“
„Hier dürfen Menschen alles. Außer Mitfahren. Deutsche Bahn“

Oder: „Nie ans Ziel. Deutsche Bahn“
Übrigens funktioniert der Bahnverkehr andernorts ganz hervorragend. In einem kleinen Land, weit weg von Europa zum Beispiel. Liebe Eidgenossen  - seid tapfer und standhaft. Wenn das so weitergeht, werden wir bald alle Fränkli haben werden sein wollen.


 

Freitag, 10. Oktober 2014

Der kleine große Unterschied

Ich habe mir Ärger eingehandelt. Ein Kollege bat mich vor ein paar Tagen um Rat und Unterstützung bei der Bedienung unseres Multifunktionskopierers. Der ist brandneu, ständig auf Standby und kann nicht nur bunt, sondern auch scannen, emailen und USB… Und fährt nach Beendigung eines Auftrags binnen weniger Sekunden in den Schlafmodus.
Um die gewünschten Ergebnisse zu erzielen, muss man ganz exakte Befehle und genaue Vorgaben eingeben. Er schlummert sofort ein, wenn man nichts von ihm will. Will man ihn wieder nutzen, muss man auf eine grüne Lampe drücken und geduldig warten, bis er wieder richtig wach ist. 

Der Kopierer funktioniert wie ein Mann, sage ich immer.
Es ist die beste und kürzeste Erklärung für dieses hochfunktionale Gerät. Als mich besagter Kollege vor ein paar Tagen um Schützenhilfe bei einigen Scans bat, habe ich auch ihm diese Kurzanleitung gegeben. Da ich seit frühester Kindheit, eigentlich von Geburt an, in einer stark testosteronhaltigen Umgebung lebe, und inzwischen selbst einige Vertreter der Gattung Homo masculinus produziert habe, bin ich Männer-Fachmann. Oder Fachfrau? Egal. Auf jeden Fall bin ich – ganz neutral – Experte. Und bisher haben alle Ratsuchenden meine "Bedienungsanleitung" für unsere Hightech-Maschine richtig verstanden. Nicht dass Sie mich falsch verstehen. Ich mag Männer. Man muss lediglich wissen, wie sie funktionieren („komm nackt, bring Essen mit“). Und keine falschen Forderungen stellen wie mitdenken, ohne Aufforderung putzen, Bettwäsche wechseln, Socken wegräumen… Klare Statements funktionieren am besten: Du! Jetzt! Aufräumen! (Oder so ähnlich.) Hey, Jasper Jul, warum sind Belohnungen nicht gut?? Die wirken wahre Wunder.

Aber ich gebe ganz offen zu, es gibt Dinge, für die ich Männer gänzlich ungeeignet halte bzw. Bereiche, in denen Männer und Frauen einfach nicht kompatibel sind.
Frauenärzte sind ein sehr gutes Beispiel: Hinlegen und Beine breitmachen für einen Mann? Beim Sex jaaaa, beim Arzt: Aaaaargh! Schlimm, ganz, ganz schlimm. Ganz ehrlich. Man, also Frau, kann dann endlich genau nachfühlen, wie sich ein totes Rind beim Zerlegen fühlt. Wenn es noch dazu fähig wäre. Aber wollen wir das so genau wissen?

Eigentlich ist es verständlich: Der Kerl hat schließlich keine Ahnung, wie sich seine Finger an und in meinen Geschlechtsteilen anfühlen müssen, damit es neutral rüberkommt. Gestreichelt werden sollte bei dieser Gelegenheit definitiv nicht. Also gibt es nur grob oder sehr grob. Ganz ehrlich, und ohne böse Gedanken: Frauen sollten zu Frauen und Männer zu Männern, wenn es um die geschlechtsspezifischen Körperteile geht. (Meine Gynäkologin ist übrigens der gleichen Meinung.)  Ich kann auch nicht beurteilen, wie schmerzempfindlich Testikel sind. (Es reicht völlig, zu wissen,       d a s s  sie es sind...)

Das zweite Beispiel ist Workout. Ich liebe Sport, ich liebe Workout – aber mit Männern kann ich nicht trainieren. Sie mögen es mal gelernt haben, theoretisch. Vielleicht hat es sogar einer kapiert: Frauen und Männer sind verschieden. Auch körperlich. Und  nicht nur bei den Geschlechtsorganen. Aber als Frau bei einem Mann ein Workout-Training zu absolvieren ist wie Kraulen üben im Beachvolleyballfeld: es funktioniert nicht, frustriert, und man, also Frau, fühlt sich dabei einfach nur lächerlich. Der eine Instructor nimmt den Begriff „Powerworkout“ besonders ernst und zieht ein GSG-9-Programm durch, dass man nach 90 Minuten vor Erschöpfung zum Kotzen aufs Klo rennt. (Entschuldigung, aber schöner lässt sich das leider nicht beschreiben.) Der nächste versucht die verständnisvolle Softvariante („geht’s euch noch gut“ im Minutentakt), während die Gruppe verzweifelt gegen die SSS (Steh-Schlaf-Symptome) kämpft. Und der dritte macht einfach das ganz normale Training, das er sonst mit seinen Jungs durchzieht. Spritzige Musik – wer braucht den Scheiß. Problemzonen? Hat man mit regelmäßigem Training keine! Was die bisherige Trainerin gemacht hat? Mir doch egal. Ich mach mein Ding, und das ist gut so. (Danke Wowi. Du bist also doch ein Mann.) Yep, genau diesen Typus habe ich heute genossen: Eigentlich ist er Boxtrainer. Gut, dass er's gesagt hat, wir hätten es fast nicht gemerkt... Die ersten 45 (von 60) Minuten bestanden aus mehrere Varianten von Oberarmtraining im Ausfallschritt. Die letzten 15 Minuten habe ich mir erspart. Er hatte sie in der Vorstellung angesprochen: tänzeln und dabei abwechselnd die Arme nach vorn boxen. Wie überaus phantasievoll. Das wäre übrigens der Konditionsteil gewesen. Der Konditionsteil, der den Abschluss der Workout-Session darstellt.

Ich bin 40 Jahre alt und kämpfe wie jede andere Frau gegen die üblichen Begleiterscheinungen. Ich lege also weder besonders großen Wert auf die Kräftigung meiner Oberarme und Oberschenkel noch auf ein Konditionstraining "auf der Stelle laufen", um nebenher – total abwechslungsreich – die Oberarme zu trainieren. Außerdem sollte dem guten Mann dringend mal jemand erklären, dass Rocky längst in Rente ist. Verdient und zu recht und hoffentlich für immer! Das gleiche gilt für den Trainingsstil der 70er Jahre. Ist nicht böse gemeint, ehrlich nicht. Aber, und damit sind wir wieder beim Kopierer, Männern etwas zu erklären ist, vorsichtig gesagt, ziemlich schwierig. Ungefähr so schwierig, wie einem Kopierer etwas zu erklären.
Mein Kollege hat gestern gesagt, er überlege sich, zum Gleichstellungsbeauftragten zu gehen. Er fühle sich diskriminiert. Ein bisschen tut er mir leid. Gleich am Montag sage ich es ihm:

Wir haben keinen Gleichstellungsbeauftragten. Nur eine Frauenbeauftragte.